Away

about the destinations

Das künstlerische Arbeiten in der Fremde hat eine lange Tradition – waren es früher Herrschaftshäuser, die ihre Talente auf Reisen schickten, übernehmen heute öffentliche Stellen diese wichtige Fördermaßnahme. Das Auslandsatelier-Programm des Bundeskanzleramts Österreich ist eine der langjährigsten und konsequentesten Unterstützungen in diesem Kontext. Siebzehn Atelierplätze auf Zeit, zwischen 160 und 11.000 km weit entfernt, hat es derzeit in zwölf destinations weltweit zu vergeben und jedes Jahr bespielen rund 50 KünstlerInnen diese Werk- und Wohnräume neu.

Mit manchen Orten teilt Österreich ein kulturelles Erbe, andere repräsentieren die pure Fremde. Einige Destinationen empfangen die KünstlerInnen mit Kooperations-Programmen, andere gilt es auf eigene Faust zu erkunden. Jeder Aufenthalt und jedes Auslandsatelier erzählt eine Geschichte. Mit dem diary geht AWAY auf Spurensuche nach diesem Lokal-Kolorit, den Arbeitsbedingungen und Erfahrungen der aktuellen StipendiatInnen.

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Begonnen hat alles in den 1970-er Jahren und Rom war neben Paris eines der ersten Auslandsateliers im Programm des BKA. Seither sind viele neue Standorte dazugekommen, andere wie Prag, Berlin, Krakau, Chicago und Fujino dagegen wieder aufgelassen worden. An welchem Ort ein Auslandsatelier installiert und eröffnet wird, hängt von vielen Parametern und Variablen ab. Es sind künstlerische, logistische, organisatorische und auch wirtschaftliche Über­legungen, die die Standortwahl bestimmen und sich ihrerseits im Laufe der Zeit wie das Programm selbst auch immer wieder verändert haben.

Neben der geographischen Lage und ihrer künstlerischen Relevanz zählt vor allem die Möglichkeit, vor Ort mit renommierten Kunst-Institutionen kooperieren zu können, wodurch die Auslands-StipendiatInnen von einem kontinuierlichen Programm und jeder Menge Synergie-Effekten profitieren können. Andere destinations funktionieren bewusst autonom, weil ihre Standorte nur auf Eigeninitiative erkundet werden können oder es bis dato keine interessanten „Kooperations-Möglichkeiten“ gibt.

Alle Auslandsateliers sind nach Sparten definiert, wodurch der Bildenden Kunst auf den ersten Blick ganze elf der 17 Ateliers zufallen, während für die künstlerische Fotografie vier und die Video- und Medienkunst zwei Ateliers vorgesehen sind. Diese Aufteilung ist zum einen historisch gewachsen, denn Bildende KünstlerInnen waren die ersten, denen das BKA Auslandsateliers zur Verfügung gestellt hat. Auch, weil die Bildende Kunst als Überbegriff den größten Schwerpunkt im Förder-Portfolio der Institution darstellt und es hier die meisten Einreichungen gibt. Zu Zeiten, in denen die Kunst selbst jedoch so manche Genregrenze verwischt, lockern sich natürlich auch die einzelnen Atelier-Schwerpunkte.

Mancherorts sind es aber ganz pragmatische, räumliche Gegebenheiten, die für eine entsprechende Sparten-Definition sprechen. Weil sie, im Erdgeschoß gelegen, das Arbeiten mit schweren Materialien erlauben, während ein New Yorker Appartement im 55. Stock dafür wohl wenig geeignet wäre; konzentrierte Recherchetätigkeiten in einer gewissen Abgeschiedenheit besser aufgehoben sind und die Umsetzung technisch anspruchsvoller Arbeiten einer gewissen Ausstattung bedarf.

Auch in ihrer Organisation sind die Auslandsateliers des BKA eine bunt gemischte Gruppe – die beiden Foto-Destinations in New York und London sind als Immobilien Eigentum der Republik, in Mexico City wird das Atelier am Botschaftsgelände vom Außenamt zur Verfügung gestellt und andere Objekte werden für den Zweck der künstlerischen Residency angemietet.

Dass ein solch heterogener Mix aus unterschiedlichen Rahmenbedingungen, die Erwartungen und Ansprüche der KünstlerInnenschaft sowie die Gesamt-Organisation aus beiden Bereichen eine sehr komplexe Unternehmung darstellen, ist augenscheinlich. Neben den Leistungen der öffentlichen Hand, dem Engagement und Verständnis für die Sache und guten KooperationspartnerInnen vor Ort ist das System Auslandsatelier vor allem auf die Zusammenarbeit mit der KünstlerInnenschaft angewiesen. Sind es also die KünstlerInnen selbst, die für ein Fortbestehen des Programms mitverantwortlich sind?  Im diary und auf der Instagram Residency #artistsaway kommen sie direkt und unzensuriert zu Wort. Vielleicht beantworten Sie dabei auch diese Frage.

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diary

Ein Tagebuch ist eine sehr persönliche Geschichte. Wer eines führt, will etwas aufheben und bewahren – Besonderes wie Alltägliches werden darin für die Erinnerung dokumentiert und spiegeln eine Art privater Zeitgeschichte. Wir haben KünstlerInnen, die in den letzten Jahren auf Residency waren, gerade davon zurückgekehrt sind oder aktuell eines der Auslandsateliers des BKA bespielen gebeten, uns in Text und Bild einen kleinen Einblick in ihren persönlichen Arbeitsalltag zu gewähren. Einen Abriss dessen zu skizzieren, womit sie sich beschäftigen, wohin ihre Gedanken reisen und wie es ihnen so geht in der fremden Umgebung.

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Aber auch, was es an praktischen Dingen rund um ihre Auslandsateliers zu wissen gibt und worauf sich ihre nachfolgenden KollegInnen vorbereiten, einstellen und freuen können. Es sind Aufzeichnungen, die man normalerweise nicht ohne weiteres teilt. Wir freuen uns, diese privaten Dokumentationen hier veröffentlichen zu dürfen. Sie sind ganz unterschiedlich, aber allesamt originär und unzensuriert. Manche KünstlerInnen haben sich bewußt gegen eine Teilnahme am AWAY diary entschieden – ein Verweigern, das wir uneingeschränkt akzeptieren. Vielleicht haben wir andere mit unserem Wunsch, an ihrer Auslandsatelier-Erfahrung teilhaben zu wollen, erst dazu inspiriert, sie überhaupt aufzuschreiben.

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