Away

London   Johann Schoiswohl 01.03.-31.05.2018 nächster Artikel >

johann schoiswohl away diary 2 london brick johann schoiswohl away diary 5 robin hood gardens2 johann schoiswohl away diary 3 marco arnautovic johann schoiswohl away diary 0 garten johann schoiswohl away diary 4 robin hood gardens1 johann schoiswohl away diary 6 robin hood gardens3 johann schoiswohl away diary 7 robin hood gardens4 johann schoiswohl away diary 10 sevensisters3 johann schoiswohl away diary 8 sevensisters1 johann schoiswohl away diary 11 stanage edge1 johann schoiswohl away diary 13 stanage edge3 johann schoiswohl away diary 9 sevensisters2 johann schoiswohl away diary 12 stanage edge2

Warum „London calling“ ein wahrer Lockruf ist.

Das Auslandsatelier ist in einem typischen, viktorianischen Haus im ruhigen East Londoner Stadtteil Bow untergebracht und richtet sich an FotografInnen. Öffentlich ist man innerhalb einer Stunde im Zentrum von Englands 8,6 Mio. Metropole – für Londoner Verhältnisse richtig zackig. Die Stadt an der Themse galt schon immer als einflussreicher Ort für unterschiedlichste Kunstströmungen. Mit ihrer Fülle an Galerien, Museen, Agenturen, der einflussreichen Kunstmesse Frieze und der aktiven Szene kann sie ihren Stellenwert als heißes Kunst-Pflaster bis heute behaupten. Ob sich das im fotografischen Blick der StipendiatInnen widerspiegelt?

"die letzten tage der robin hood gardens

im garten liegt eine dünne schicht schnee. die brombeerstauden klettern entlang der holzzäune und drängen auf die terrasse. katzen kommen auf besuch. im garten steht ein altes rad. ich drehe ein paar runden im olympia park. nach dem mittagessen lege ich mich auf die couch und schaue in den garten. ich schlafe eine halbe stunde.

am karsamstag spielt west ham united gegen southhampton. ein wichtiges spiel im abstiegskampf. zu fuß bin ich rasch beim olympia stadion. der alte ground „upton park“ musste einem imobilienprojekt weichen. ich kaufe mir am schwarzmarkt ein ticket um 40 pfund. eigentlich noch eher günstig. west ham spielt zügig nach vorne und gewinnt 3:0. marco arnautovic schießt zwei tore. alle sind glücklich.

am ostersonntag fahren wir mit dem zug nach eastbourne. simone und lino sind auf besuch. wir wandern auf den kreideklippen richtung brighton. das wetter ist stabil und trocken. am strand sammeln wir ein paar steine. ich versuche auf den bröseligen klippen zu klettern. es wird finster. der bus bringt uns nach brighton, der zug zurück nach london. wir fahren ungefähr ein stunde bis zur victoria station.

ich schneide einen teil der brombeerhecke mit der schere weg. es kommen zwei rosenstauden zum vorschein. eine wilde rose lasse ich auch stehen. beim cl-halbfinale von liverpool gegen roma treffe ich meine nachbarin im bow bells pub. danach schneide ich auch noch den rest der brombeeren ab und versuche alle wurzeln auszugraben. beim baustoffhandel auf der anderen seite der a12 kaufe ich 25 kleine ziegel der marke „london bricks“ und baue ein kleines hochbeet. pflanzen hole ich mir bei „growing concerns“ am victoria park. der rucola wächst wild durch die ritzen der terrassenplatten.

gleich neben der wrexham road geht es entlang des lea valleys richtung süden. vorbei an einer  ehemaligen gin destillerie, einigen gasometern und neubaugebieten. ein paar schrottplätze zwingen zu einem kleinen umweg über staubige straßen. der blick schweift zum eingerüsteten balfron tower. dahinter erheben sich die hochhäuser der canary warf. dazwischen findet man die robin hood gardens. ein teil ist bereits abgerissen. in einem block leben noch menschen. tauben wandern in den vorgärten herum. ein filmteam macht aufnahmen vom haus. eine weitere person dreht ein paar runden mit einem aufnahmegerät. menschen tippen schnell den zugangscode in das haustor und verschwinden im gebäude. bald wird auch der rest abgerissen. eine renovierung wurde von der gemeinde abgelehnt.

im peak district machen wir uns auf die suche nach der robin hood cave. an der stanage edge sortieren ein paar kletter*innen im morgenfrost ihre kletterausrüstung. die sonne scheint. bald schmelzen die dünnen eisschichten der pfützen. einige mühlsteine liegen in der wiese. sie wurden offenbar nicht mehr gebraucht. wir fragen zwei alte wanderer nach dem weg. sie meinten, dass sie früher beim klettern öfter in der robin hood cave übernachtet haben. nach ein paar minuten finden wir schließlich die robin hood cave. über eine etwas mit wasser geflutete höhle erreicht man einen balkon. hier hat man einen wunderbaren ausblick über die hügel des peak district.

johann schoiswohl, wien 2018"

johannschoiswohl.at

 

1. Mein Aufenthalt im Atelier in einem Wort:
  Bow
2. Das fehlt mir/ das vermisse ich seit ich nicht mehr dort bin:
  Fußball
3. Dos & don'ts an diesem Ort:
  Nichts Spezielles
4. Wo man super Arbeitsmaterial kaufen kann:
  Jewson Ltd/ Baumaterial, Srewfix/ Werkzeug (both Wick Ln), Growing Concerns/ Gartensachen (Victoria Park)
5. Das sollte man unbedingt von zuhause mitnehmen:
  Wollsocken
6. Zum Thema Kunst an meinem Residency-Ort:
  Nunnery Galerie (gleich ums Eck), Museen
7. Rund um das Auslandsatelier: Hier kaufe ich ein, hier trinke ich Kaffee und hier gibts den besten Mittagsteller in Laufdistanz:
  Tesco (66 Vernon Road),  drei mal die Woche nebenan auf Roman Road Market gutes indisches Essen (Standl), Türkisches Lokal (Sultan Sofrasi) am Anfang der Roman Road, rund um Victoria Park - Lauriston Rd (Fish&Chips, Bäcker), Victoria Park Pavilion
8. Den Tag lasse ich häufig hier ausklingen (Dinner, Drinks und bester Sound):
  Bow Bells
9. Was ich gerne schon am Beginn meiner Residency über das Atelier gewusst hätte:
  Flughafen Stansted ist gut zu erreichen (Bus von Bow Church)
Share: Away on Facebook

weitere artikel

Filtern nach: