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Istanbul   Amina Handke 01.10.-31.12.2019 nächster Artikel >

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Warum am Bosporus künstlerisch die Post abgeht.

Kunst und Kultur genießen in der bevölkerungsreichsten Stadt der Türkei traditionell ein hohes Ansehen. Aktuell hat sich in Istanbul einiges geändert, denn das ehemals westlichste Tor zum Osten schlägt politisch gerade einen neuen Kurs ein. Umbrüche waren aber seit jeher ein interessantes Motiv für die Kunst. Während sich manche aus Vorsicht lieber alternative Ziele aussuchen, zieht es andere Künstlerinnen gerade deswegen in Istanbuls traditionelles Künstlerviertel Cihangir Beyoglu, wo das BKA sein Auslandsatelier betreibt. Wie erlebt man diese Stadt derzeit, die sich mit der Contemporary Istanbul und zahlreichen Galerie-Eröffnungen in der jüngeren Geschichte als wichtiger Kunst-Standort positioniert hat?

"Istanbul ist nicht nur riesig, sondern bietet auch scheinbar uneingeschränkt Unerwartetes, An-, Aufregungen und Herausforderungen, nicht nur für BesucherInnen. Es ist, als wäre man in drei oder vier Städten gleichzeitig, nicht nur zwischen oder auf zwei Kontinenten, und würde sich ausserdem in unterschiedlichsten Momenten der Geschichte und Gegenwart bewegen. Von einem Tag auf den Anderen kann ein Häuserblock verschwinden und ein neuer entstehen. Das Tempo und Ausmaß der Veränderungen verwirrt selbst diejenigen, die schon länger dort wohnen. Zusätzliche Herausforderung für die (orientierungs)Sinne ist die Mehrdimensionalität der Stadt, die sich nicht nur in alle Himmelsrichtungen bewegt, sondern auch nach oben und unten (und durch das Meer). Weil es so vieles zu sehen, hören, riechen und schmecken gibt – nicht nur im künstlerischen Sinn – und auch viel zu gehen und fahren, wollte ich die Zeit in erster Linie nutzen, um Istanbul erkunden bzw. die Sprache zu erlernen. Sogar der Alltag will neu erlernt werden, damit auch die eigenen Gewohnheiten und Sichtweisen.

Interessant finde ich, dass die vorgegebenen Fragen und Einleitung hier aus meiner Sicht mehr auf Tourismusspaß ausgerichtet sind als auf einen Arbeitsaufenthalt. Der doch eigentlich die Gelegenheit bieten kann, touristische Sichtweisen zu hinterfragen und zu vermeiden."

www.amina.at

 1. Mein Aufenthalt im Atelier in einem Wort:
  Ezici.
2.   Dos & don’ts an diesem Ort:
  Do: Erwartungen, Meinungen und Vorurteile über Bord werfen. Höflicher Gast sein. Don't: Beurteilen.
3. Das fehlt mir/ das vermisse ich seit ich nicht mehr dort bin:
  Der Klang der Stadt: Möwen, Katzen, Muezzins, Strassenhändler, Motore, Hupen, Schiffshörner. Nachts vermisse ich den Lärm aber auch wieder nicht.
4. Wo man super Arbeitsmaterial kaufen kann: 
  Kommt drauf an, was. Es gibt sehr viele kleinere Geschäfte, Handwerk und Einzelhandel, oft sind ganze Nachbarschaften einem Bedarf gewidmet (Boots- und Fischereibedarf, Textilien, Konditorei etc.). Arbeitszeit ist für europäische Verhältnisse sehr günstig, also nicht davor zurückschrecken, jemanden anzuheuern – etwa auch um die Sprache zu lernen/üben!
5. Das sollte man unbedingt von zuhause mitbringen:
  Feste, wasserdichte Schuhe mit gutem Profil. Ausreichend Türkischkenntnisse für alle Alltagsfragen.
6. Zum Thema Kunst an meinem Residency Ort:
   Die Auswahl ist groß. 2019 hat das neue Arter-Gebäude in Dolapdere eröffnet, dort gibt es mehrere Ausstellungen gleichzeitig und ausserdem sehr bezeichnende Eindrücke / Ausblicke auf die Kontraste der Stadt, auch was Arm und Reich betrifft bzw. Gentrifizierung. 
7.  Rund um das Auslandsatelier – hier kaufe ich ein, hier trinke ich Kaffee und hier gibt’s den besten Mittagsteller in Laufdistanz:
  An der Türkgücü Caddesi Richtung Taksimplatz ist eigentlich alles – ein sehr günstiger und guter veganer Imbiss, das Fertiggerichtelokal Cihangir Lokantasi,   die tolle Konditorei Elvan und ausserdem mehrere kleinere Imbisse samt lokalem Supermarkt und Obst- und Gemüseläden. Die französische Supermarktkette Carrefour würde ich nach Möglichkeit meiden. Es gibt sinnvollere Weisen, das Stipendiumsgeld auszugeben.
 8. Den Tag lasse ich häufig hier ausklingen (Dinner, Drinks und bester Sounds):
  Ein Balik Dürüm und / oder Cay vom Strassenhändler, auf einer der beiden Seiten des nördlichen Galatabrückenkopfs am Wasserufer sitzend. Dabei den Fähren zusehen und dem Sonnenuntergang hinter den Moscheen der Altstadt – unglaublich! Wer weiss, wie lang es diese Möglichkeit noch gibt...Zum Durchatmen und Tee (oder was anderes) trinken ist das Café der Istanbul Sosyal Tesisi (direkt um die Ecke am Sanatkarlar Park) besonders beeindruckend – wenig Menschen, sehr günstig und einer der schönsten Ausblicke Richtung Marmarameer. Die Teeterrassen der städtischen Buchläden an den Fähren-Anlegestellen sind auch schön, aber daher gut besucht. Die Balkon Bar mitten im stressigen Galata-Ausgehviertel ist ausserdem eine Empfehlung – sehr relaxt und schöner Dachterrassenblick übers goldene Horn. Eine zweite Ruheoase direkt neben der Istiklal Caddesi ist ausserdem das Urban Cafe.
 9. Was ich gerne schon am Beginn meiner Residency über das Atelier gewusst hätte:
  Wie viel Unerwartetes gleichzeitig passieren kann (insbesondere, wenn der Vorgänger die Wohnung verwüstet) und wie spannend ein Alltag ohne ausreichend Türkischkenntnisse sein kann.
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