Diary > Marie-Andrée Pellerin - New York
New York, USA01/26–04/26
Marie-Andrée Pellerin
Macht euch auf einen außergewöhnlich kalten Winter in New York City bereit, mit gewaltigen Stürmen, die offenbar verlässlich jeden Sonntag über die Stadt ziehen. Auch das politische Klima dürfte frostiger werden, unsicheres Terrain ist dabei zu erwarten. Haltet euch warm und genießt den Dampf der aus den Rohren der Stadt aufsteigt.
| 1. | Mein Aufenthalt im Atelier in einem Satz: |
| Eine einmalige Erfahrung – unglaublich intensiv und zugleich sehr sozial, mit wunderbaren Erinnerungen und neuen Freundschaften mit Menschen aus der ganzen Welt. | |
| 2. | Dos & Don’ts an diesem Ort: |
| Verabschiede dich von der Angst, etwas zu verpassen! In dieser riesigen Stadt ist es unmöglich, alles mitzunehmen, was passiert. Nachdem du verschiedene Veranstaltungen ausprobiert hast, konzentriere dich am besten auf jene Kulturorte und Ausstellungsräume, die deinen eigenen Interessen wirklich entsprechen. Erwarte nicht, durchgehend produktiv zu sein: Das ISCP ist ein ausgesprochen sozialer Ort, und selbst eine kurze Pause kann sich leicht zu einem zweistündigen Gespräch entwickeln. Nimm dir Zeit, die Stadt, ihre unterschiedlichen Viertel und Kunstinstitutionen zu erkunden. Um dem Trubel der Stadt zwischendurch zu entkommen, lohnt sich ein Ausflug mit dem Zug nach Dia:Beacon oder nach Coney Island. | |
| 3. | Das fehlt mir / das vermisse ich, seit ich nicht mehr dort bin: |
| Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Intensität der Stadt und die wunderbare, inspirierende Gruppe von Künstler:innen, Kulturarbeiter:innen und Kurator:innen, die ich am ISCP kennengelernt habe. | |
| 4. | Super Arbeitsmaterial gibt’s hier zu kaufen: |
| Über das ISCP kann man einen Termin bei Material for the Arts vereinbaren. Das ist ein wahres Paradies: ein riesiges Lager, in dem Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen unterschiedlichste Dinge kostenlos bekommen können – darunter Geräte, Textilien, Haushaltsgegenstände, Kunstmaterialien, Kabel, Bildschirme, Lampen und Bücher. Ich habe dort sogar einen alten, aber funktionierenden iMac gefunden. | |
| Weitere gute Anlaufstellen sind The Big Reuse, ein großes Lager für gebrauchte Objekte und Materialien zu sehr günstigen Preisen, sowie Online-Shops – NYC ist stark auf Online-Shopping ausgerichtet. | |
| Als Videokünstlerin habe ich mich außerdem im Film Studies Department angemeldet, um einen Film aus den 1920er-Jahren aus dem MoMA Film Archive anzusehen. Das ist kostenlos, und man bekommt einen kleinen Kinosaal ganz für sich allein. | |
| 5. | Das sollte man unbedingt von Zuhause mitbringen: |
| Neben Steckdosenadaptern und den notwendigen Unterlagen für die Einreise in die USA würde ich auch einige fertige Arbeiten mitbringen, um sie bei Studio Visits zeigen zu können. Das ISCP verfügt über Monitore und Projektoren, die man für die Präsentation audiovisueller Arbeiten im eigenen Studio anfragen kann. Kleine Publikationen, Karten oder Postkarten an Studiobesucher:innen und neue Bekanntschaften weiterzugeben, ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben. | |
| Achte darauf, im Gepäck noch etwas Platz für die Rückreise zu lassen. Nimm nicht zu viele Bücher und Kleidungsstücke mit! Buchhandlungen und Secondhand-Shops sind in NYC eine eigene Welt – ich würde unbedingt empfehlen, sie zu erkunden. Und: Die Winter können kalt sein. | |
| 6. | Zum Thema Kunst an meinem Residency-Ort und wo ich die besten Ausstellungen besucht habe: |
| Als Video- und zeitbasierte Künstlerin empfehle ich besonders das Swiss Institute, Amant in der Nähe des ISCP, das Center for Art, Research and Alliances (CARA) sowie das Programm von e-flux. Auch einige Ausstellungen im MoMA PS1, im New Museum und im Whitney Museum haben mir sehr gut gefallen. Liebhaber:innen von Sound Art sollten Dream House nicht verpassen, eine Soundinstallation von La Monte Young und Marian Zazeela, die seit den 1990er-Jahren in einem Apartment zu erleben ist. | |
| Ich habe online die Karte der American Alliance of Museums gekauft. Auch wenn es auf der Website nicht ganz eindeutig kommuniziert wird, ermöglicht sie kostenlosen Eintritt in viele Museen – oft sogar mit Begleitperson. | |
| Das kulturelle Angebot ist unglaublich groß. Man kann sich zum Beispiel anmelden, um als Teil des Publikums bei der Live-Aufzeichnung der ikonischen Daily Show dabei zu sein. Das ist eine gute Möglichkeit, mit kritischen politischen Diskursen in Berührung zu kommen. Am besten meldet man sich frühzeitig an, um während der viermonatigen Residency einen Platz zu bekommen. | |
| 7. | Rund um das Auslandsatelier – hier kaufe ich ein, hier trinke ich Kaffee und hier gibt’s das beste Mittagsmenü um die Ecke: |
| A-Pou’s Taste, ein taiwanesisches Restaurant. | |
| Aburi Sushi hat ein sehr gutes Mittagsmenü. | |
| Claudia’s, ein guatemaltekisches Restaurant mit Happy-Hour-Martinis. | |
| Auch die Gemeinschaftsküche des ISCP ist ein schöner Ort, um Kolleg:innen und ISCP-Mitarbeiter:innen zu treffen und gemeinsam Mittag zu essen. In den USA gibt es eine ausgeprägte „Bring your own lunch“-Mikrowellenkultur. | |
| 8. | Den Tag lasse ich bei einem Dinner, Drinks, gutem Sound oder zum Networken häufig hier ausklingen: |
| Zum Essen gehe ich gerne nach Chinatown, zum Beispiel ins Thai Palace oder in verschiedene Dumpling-Restaurants. | |
| Eine großartige Dumpling-Kette ist Xi’an Famous Foods. | |
| Unbedingt ausprobieren: typische amerikanische Diners und mexikanische Tacos. | |
| KGB Bar im East Village. | |
| e-flux Bar, besonders für Listening Evenings. | |
| Viva Toro, eine herrlich kitschige Cowboy-Bar mit Rodeo. | |
| Außerdem Veranstaltungen im ISCP oder Unternehmungen mit ISCP-Kolleg:innen in der Stadt. Generell würde ich mir keine Sorgen machen, zu wenig vorzufinden – eher im Gegenteil. Plane unbedingt auch ein paar Abende zum Ausruhen ein. | |
| 9. | Was ich eigentlich gerne schon am Beginn meiner Residency über das Atelier gewusst hätte: |
| Ein ehemaliger ISCP-Alumnus sagte mir, ich solle mich auf einen intensiven, sehr sozialen Aufenthalt einstellen, bei dem es weniger um Produktion als vielmehr um Repräsentation, Austausch und Gespräche geht. Meine viermonatige Residency ist unglaublich schnell vergangen. Statt zu erwarten, im Studio besonders produktiv zu sein, würde ich eher damit rechnen, neue Ideen und Bilder zu sammeln und Kontakte mit Menschen aus der ganzen Welt zu knüpfen. Zurück zu Hause kann man diese Erfahrungen dann in neue Arbeiten und Kollaborationen einfließen lassen. | |
| Die österreichischen Förderstrukturen bieten Künstler:innen sehr unterstützende Bedingungen. Viele Artists in Residence am ISCP müssen ihre Unterkunft selbst organisieren, was in NYC herausfordernd, stressig und zeitaufwendig sein kann. Ich war sehr dankbar, ein großes Studio und eine Wohnung in einer Stadt zur Verfügung gestellt zu bekommen, in der sich Künstler:innen das Leben kaum noch leisten können. |
Website Resident: marieapellerin.info