Paris, Frankreich09/25–12/25

Samuel Seger

Während meine Tochter den Vormittag im Privat-Kindergarten verbringt, der fast mein gesamtes Stipendiengeld verschlingt, nutze ich die Zeit im Atelier. Mir tut es extrem gut, auf relativ engem Raum zu leben und zu arbeiten. Viele Dinge des Alltags, die mich normalerweise ablenken, habe ich hier nicht. Es sind genau die Dinge, die abwesend sind, die mich auf neue Gedanken bringen. 

Nachmittags dann teile ich meine Zeit zwischen Spielplatz und Galerien. Noch nie habe ich in kurzer Zeit so viele gute Ausstellungen besucht, wie hier in Paris. Dieses Jahr ist durch die Art Basel viel Publikum in der Stadt – vermutlich ist die Qualität der Ausstellungen in diesem Zeitraum deshalb besonders hoch.

In den Abendstunden bleibt dann nochmals Zeit zu arbeiten oder zu lesen. Ich habe die Zeit in der Cité mit meiner Familie sehr genossen und bin froh, durch die vielen Eindrücke neue Arbeitsansätze und Konzentration gefunden zu haben. Einen richtigen Durchbruch in der Arbeit habe ich erst im letzten Monat der Residency erzielt. Zum Glück gibt es die Möglichkeit, den Aufenthalt um zwei Monate zu verlängern, so dass ich diese produktive Phase weiter ausleben konnte!

1. Mein Aufenthalt im Atelier in einem Wort:
  Angenehm
2. Dos & Don'ts an diesem Ort:
  Dos:
Um sich in den vier Monaten wohlzufühlen und gut arbeiten zu können, lohnt es sich, Dinge anzuschaffen, die das Leben schöner und leichter machen (z.B. einen Teppich, Pflanzen oder einen Drucker). Am Ende der Residency kann man solche Sachen gut verschenken oder über den Gruppenchat günstig weitergeben.

Don’ts:
Man sollte sich nicht zu viel Support seitens der Cité erhoffen. Das Team gibt sich zwar Mühe, aber da man mit hunderten von Stipendiaten zusammenlebt, ist es keine Residency, in der besonders auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen werden kann. Was den Aufenthalt in der Cité aber auszeichnet, ist die perfekte Lage im Zentrum der Stadt und die Möglichkeit, mit den vielen Stipendiaten aus unterschiedlichen Sparten in Kontakt zu kommen.
3. Das fehlt mir / das vermisse ich, seit ich nicht mehr dort bin:
  – Das riesige Angebot an Museen und Galerien
– Ein Atelier nur für mich / Zeit, sich auf die Arbeit zu konzentrieren
4. Super Arbeitsmaterial gibt’s hier zu kaufen:
  Ich bin mit Boesner, Gerstaecker (Le Géant des Beaux-Arts) und Rougier & Plé ausgekommen.
5. Das sollte man unbedingt von Zuhause mitbringen:
  Wenn man genug Platz im Koffer oder Auto hat, sollte man Küchenutensilien, die einem wichtig sind, und – falls nötig – Werkzeuge mitbringen.
Außerdem: Passfoto und Künstlerausweis.
6. Zum Thema Kunst an meinem Residency-Ort und wo ich die besten Ausstellungen besucht habe:
  Neben den vielen großen Museen für Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst, wie z.B. dem Palais de Tokyo, habe ich die interessantesten Ausstellungen in den Galerien Marian Goodman und Chantal Crousel gesehen.
Außerdem kann ich empfehlen, die Nähe zu London zu nutzen. Mit dem Zug ist man schnell dort und kann sich so das Kunstprogramm noch um einiges erweitern.
7. Rund um das Auslandsatelier – hier kaufe ich ein, hier trinke ich Kaffee und hier gibt’s das beste Mittagsmenü um die Ecke:
  Die kleinen Supermärkte in unmittelbarer Nähe haben leider keine große Auswahl an frischem Gemüse. Im Untergeschoss des Monoprix in der Rue de Rivoli findet man aber alles. Außerdem gibt es mehrere Märkte in der Umgebung.
Man muss nur vor die Tür gehen und hat Cafés, Bars, Restaurants oder kleine Imbisse zur Auswahl. Direkt vor der Cité in der Caféothèque gibt es sehr, sehr guten Kaffee.
Für gutes Essen lohnt es sich auch, mit der Metro Nr. 7 nach Chinatown zu fahren.
8. Den Tag lasse ich bei einem Dinner, Drinks, gutem Sound oder zum Networken häufig hier ausklingen:
  Da ich mit meiner zweijährigen Tochter angereist bin, war ich abends meist zuhause.
9. Was ich eigentlich gerne schon am Beginn meiner Residency über das Atelier gewusst hätte:
  Dass das Atelier 1441 größer und gemütlicher ist, als es auf den Fotos des BMWKMS aussieht.


Website Resident:              samuelseger.com